Das Modell einer Galeone
Auf den ersten Blick scheint dieses detailreich gearbeitete Modell eines dreimastigen Segelschiffes kaum etwas mit der Geschichte von Mürzzuschlag zu tun zu haben.
Zum Pfingstwochenende - 23. bis 25. Mai 2026 - wird das Modell erstmals ausgestellt werden. Damit wir es darüber hinaus unseren Besuchern präsentieren können muss eine Vitrine angefertigt werden. Dafür starten wir eine Spendenaktion und hoffen auf ihre großzügige Unterstützung!
Ein Schiff, das Mürzzuschlag mit der Welt verbindet
Ein Schiff – hier, in einer Stadt geprägt von Eisenbahn, Industrie und der legendären Semmeringbahn? Und doch erzählt gerade dieses Objekt eine überraschend große Geschichte: eine Geschichte, die weit über die Region hinausreicht und Österreich mit den globalen Handels- und Machtstrukturen vergangener Jahrhunderte verbindet.
Die Triestiner Ostindische Handelskompanie
Bereits im 18. Jahrhundert war die Habsburgermonarchie Teil jener europäischen Kräfte, die sich auf den Weltmeeren engagierten. Von Triest aus, das 1719 zum Freihafen erklärt wurde, brachen Expeditionen und Handelsfahrten in ferne Regionen auf. Die von Maria Theresia gegründete Triestiner Ostindische Handelskompanie war ein zentraler Motor dieser Bestrebungen. Unter dem Kommando von William Bolts segelten Schiffe unter kaiserlicher Flagge in Richtung Südasien und darüber hinaus – ein oft übersehener Teil österreichischer Geschichte.
Das hier ausgestellte Modell erinnert an jene Zeit der großen Entdeckungsreisen. Es zeigt vermutlich eine frühe Galeone – einen Schiffstyp, der im 16. und 17. Jahrhundert die Weltmeere dominierte. Anders als häufig angenommen, waren Galeonen keine schwerfälligen Handelsschiffe, sondern schnelle, wendige und zugleich militärisch schlagkräftige Hochseeschiffe. Sie standen sinnbildlich für eine Epoche, in der Handel, Macht und Entdeckung eng miteinander verwoben waren.
Objekt des Monats
Doch wie gelangt ein solches Symbol globaler Seefahrt nach Mürzzuschlag?
Die Antwort liegt in den historischen Verbindungen zwischen dem adriatischen Raum und der steirischen Industrieregion. Im Jahr 1920 wurde das Modell von der Triestiner Ostindischen Handelskompanie der Mürzzuschlager Kaufmannschaft geschenkt. Es steht damit für ein Netzwerk wirtschaftlicher Beziehungen, das weit über die Alpen hinausreichte – von den Häfen der Adria bis in die aufstrebenden Industriezentren der Steiermark. Nach Jahrzehnten in der Wirtschaftskammer Mürzzuschlag fand das Schiff schließlich 2015 seinen Weg ins SÜDBAHN Museum. Heute erzählt es hier eine Geschichte, die größer ist als sein Maßstab: die Geschichte eines Binnenlandes mit Blick auf die Welt, einer kleinen Stadt als Teil globaler Verflechtungen – und eines Objekts, das genau diese Verbindung sichtbar macht.
Objekte des Monats 2026
JÄNNER Gepäckkarren
FEBRUAR Namensschilder
MÄRZ Kleindraisine Stabeg
APRIL Humoristische Zeichnung