Eine Waldbahn zwischen Steinhaus am Semmering und Rettenegg

Die Lanckoronski´sche WaldbahnSachbuch, erschienen 2021Der Titel des hier rezensierten Sachbuches „Die Lanckoroński´sche Waldbahn Frauenwald zwischen Steinhaus am Semmering und Rettenegg (1899-1958)“ lässt keine Fragen über den Inhalt offen. Das Sachbuch ist im 1. Quartal 2021 im RMG Verlag (Railway-Media-Group) erschienen. Die Autoren Hans Matscheko und Heimo Stadlbauer haben einige Jahre an dem Buch gearbeitet und akribische Recherchearbeiten geleistet.
Das Werk gliedert sich grob in Strecke – Geschichte – Betrieb – Erinnerungen – und einer Chronologie. Im Nachweis sind noch schriftliche, bildliche und mündliche Quellen angefügt sowie ein Literatur- und Abbildungsverzeichnis. Das Buch ist reich bebildert. Ausdrucksstarkes, historisches Fotomaterial, Schriftstücke und Planmaterial sind abgedruckt und veranschaulichen sehr gut den Inhalt. Etwas verwirrend ist die Anbringung von Fußnoten sowie Endnoten am Ende einer Seite beziehungsweise eines Kapitels.

Die Autoren

Mag. Johann Matscheko war Professor für Deutsch und Geschichte am Herta-Reich-Gymnasium in Mürzzuschlag. Als Historiker und großer Eisenbahnfreund hat er zur Eisenbahn- und Regionalgeschichte unzählige Vorträge gehalten und Beiträge verfasst. Dipl. Ing. Heimo Stadlbauer war in der Steiermärkischen Landesregierung Abteilung 17c in der Gewässeraufsicht tätig. Zur Lanckoroński´sche Waldbahn hat er familiären Bezug. War doch sein Urgroßvater Roman Tichy Lanckoroński´sche Forst- und Gutsverwalter und in dieser Funktion auch maßgeblich am Projekt der Waldbahn beteiligt.

Zum Inhalt

Im ersten Kapitel „Die Waldbahnstrecke“ wird eine detaillierte Rekonstruktion der Strecke geliefert. Unterteilt in gesamt fünf Teilstrecken kann der Leser somit den Streckenverlauf nachvollziehen. Eine gewisse Ortskundigkeit des Lesers ist auf jeden Fall von Vorteil. Die Basis für die Streckenrekonstruktion ist ein undatierter Situationsplan aus Privatbesitz. Zu einzelnen neuralgischen Streckenabschnitten wurden Detailpläne neu angefertigt und im vorliegenden Werk abgedruckt.

Die beiden nächsten Kapitel (2. „Die Geschichte der Waldbahn“ und 3. „Der Waldbahnbetrieb“) sind mit rund 70 Seiten gleich stark im Buch vertreten. Spannend unteranderem die Lebensgeschichte des Auftraggebers der Waldbahn, Karl Graf Lanckoroński-Brzezie (1848-1933). Seine Biografie erzählt vom Spross einer hoch angesehenen polnischen Adelsfamilie, Kunstmäzen und Denkmalschützer bis hin zum Enteigneten und Vertriebenen während des Naziregimes.

„Ich war kein Minister, kein Künstler, kein Professor… Vielleicht einmal ein reicher Mann in hoher gesellschaftlicher Stellung..." S. 39

Die Anlage der Waldbahn stellte für den Betrieb einige Herausforderungen dar. Die technischen und betrieblichen Beschreibungen des Aufzuges im Feistritztal und der Bremsberganlage schildern diese sehr eindrücklich. Die Detailpläne, historisch und rekonstruiert, sind zum Verständnis der Abläufe von größter Wichtigkeit.

Mit dem vierten und letzten Kapitel „Erinnerungen“ findet das Sachbuch einen sehr persönlichen und emotionalen Abschluss. Vor allem die Erzählungen von Zeitzeugen geben spannende kaum vorstellbare Einblicke in den Alltag der Menschen von damals:

„Unser Haus war das vorletzte in Feistritzwald in Richtung Rettenegg. Ein Zahnarztbesuch in Mürzzuschlag bedeutete für uns eine Tagesreise… Einmal aber hatten wir Glück, dass ein größerer, unbeladener Waldbahnwagen an der Talstation des Bremsberges abgestellt war…“ S. 190

Der Kauf dieses Buches zur Waldbahn Frauenwald ist ein Muss, nicht nur für Eisenbahninteressierte. Es gibt einen umfassenden Einblick in die Technik- und Regionalgeschichte dieser, noch längst nicht vergessenen, Strecke von Steinhaus am Semmering nach Rettenegg.

Buchdetails Aktuelle Ausgabe

ISBN: 9783902894816
Sprache: Deutsch
Umschlag: Hardcover / Fadenheftung
Umfang: 216 Seiten
Foto: Farbe und S/W
Format: A4
Autor: Prof. Mag. Hans Matscheko, Dipl. Ing. Heimo Stadlbauer
Verlag: Verein Railway-Media-Group
Erscheinungsdatum: 03.03.2021
Preis: Euro 49,00