Betriebsbuch Dampflokomotive 33.101
Unser leider viel zu früh verstorbenes Vereinsmitglied Johann Bögner hat uns viele seiner Schätze hinterlassen. Aus dem Nachlass Bögner haben wir unteranderem eine mehrere tausend Stück umfassende Fotosammlung erhalten, darunter auch großformatige Glasplattennegative. Es finden sich aber auch bibliografische Objekte im Nachlass wie das Betriebsbuch der Dampflokomotive 33.101.
33.101 am 29. Mai 1959 in Mürzzuschlag © Slg. Erich Nährer
Was ist ein Betriebsbuch
Ein Lokomotiv-Betriebsbuch ist ein offizielles, fortlaufendes Dokument, das den gesamten Lebenslauf und die technische Geschichte einer einzelnen Lokomotive lückenlos festhält. Das Betriebsbuch funktioniert wie ein technisches Tagebuch oder eine Krankenakte für die Maschine. Heute sind erhaltene Betriebsbücher wichtige historische Primärquellen für Eisenbahnmuseen, Forscher und Sammler.
Inhalt und Aufbau eines Betriebsbuchs
- Stammdaten: Name des Herstellers, Fabriknummer, Baujahr, Tag der Auslieferung und der offiziellen Endabnahme
- Technische Daten: Angaben zu Leistung, Kesseldruck, Gewicht, Abmessungen und eine Beschreibung der eingebauten Systeme.
- Lebenslauf: Stationen der Beheimatung (welches Dienststelle die Lok betreute), Umbauten, Reparaturen und größere Hauptuntersuchungen.
- Besondere Ereignisse: Vermerke über Unfälle, Schäden, Ausmusterung oder den Verkauf an andere Bahngesellschaften.
Objekt des Monats Oktober
Geschichte der Dampflokomotive 33.101
Die Dampflokomotive 33.101 (ursprünglich als BBÖ 113.01 gebaut) war eine schwere österreichische Schnellzug-Schlepptenderlokomotive. Sie war das Typschiff bzw. die erste gebaute Maschine der erfolgreichen Baureihe BBÖ 113 (später ÖBB-Reihe 33).
Baujahr & Hersteller: Die Lokomotive wurde 1923 von der Maschinenfabrik der Staatseisenbahngesellschaft (StEG) in Wien unter der Fabriknummer 4693 gefertigt. Umnummerierungen: 1923–1938: Dienst als BBÖ 113.01 im hochwertigen Reise- und Schnellzugdienst. 1938/1939: Nach dem Anschluss Österreichs Eingliederung in die Deutsche Reichsbahn als 33 101. Ab 1953: Bei den Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) wurde die Schreibweise leicht angepasst zu 33.101.
Ausmusterung: Nach dem Zweiten Weltkrieg verblieb die Lokomotive in Österreich. Von 1945 bis 1951 befand sie sich jedoch als russische Kriegsbeute in sowjetischem Besitz und trug in dieser Zeit die Bezeichnung T 33 101. Das „T“ steht dabei für das russische Wort Трофей (Trophäe). 1951 wurde die Lokomotive wieder in den Bestand der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) aufgenommen. Zuletzt war sie am Bahnhof Mürzzuschlag stationiert, bevor sie am 25. Oktober 1960 ausgemustert wurde.
Technische Daten (Baureihe 33.1 / BBÖ 113)
- Radsatzanordnung 2´D-h2 (Zwillings-Heißdampf-Triebwerk mit führendem Drehgestell und 4 Kuppelachsen)
- Länge über Puffer 20.698 mm
- Dienstgewicht 85,16 t (ohne Tender)
- Höchstgeschwindigkeit 85 km/h bis maximal 100 km/h
- Treibraddurchmesser 1.740 mm
- Tender Reihe 9085 (Wasservorrat: 27,0 m³, Kohlevorrat: 7,44 t)
Erhaltene Schwestermaschinen
Während die 33.101 im Jahr 1960 verschrottet wurde, blieben zwei Lokomotiven dieser Baureihe der Nachwelt erhalten:
- 33.102 (ehemals BBÖ 113.02) steht heute im Eisenbahnmuseum Strasshof in Niederösterreich.
- 33.132 (ehemals BBÖ 113.32) wurde lange Zeit von Brenner & Brenner für Nostalgiefahrten (z.B. über die Semmeringbahn) genutzt und ging später nach Tschechien.
Beziehung Mürzzuschlags zur Dampflokomotive der Baureihe 33
Im SÜDBAHN Museum ist heute keine Dampflokomotive der Baureihe 33 im Original zu sehen. Dennoch gibt es eine besondere Verbindung zwischen Mürzzuschlag und zwei Lokomotiven dieser Baureihe.
Die 33.101 ist ab dem 15. Juni 1958 im Betriebsbuch mit Mürzzuschlag als Standort verzeichnet. Auch ihr letzter Einsatzort ist mit Mürzzuschlag verbunden: Am 25. Oktober 1960 wurde die Lokomotive hier ausgemustert.
Eine weitere Verbindung besteht zur 33.132. Diese Lokomotive stand von 2008 bis 2011 vor dem SÜDBAHN Museum. Grund dafür war ein Federbruch, der sich während einer Sonderzugfahrt über den Semmering ereignet hatte. Die Lokomotive musste daraufhin in Mürzzuschlag abgestellt werden. Am 27. Jänner 2011 wurde sie zur Reparatur in die VEW-Werkstätte nach Hönigsberg geschleppt. Bereits am 7. Februar 2011 waren die Reparaturarbeiten abgeschlossen, sodass die 33.132 wieder nach Wien zurückkehren konnte.
Objekt des Monats 2026
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