Eine Erfolgsgeschichte Geht weiter
Am 08. Juli lud die Wirtschaftskammer Steiermark zu einem ersten Netzwerktreffen in den Rundlokschuppen im SÜDBAHN Museum Mürzzuschlag ein. Das Thema des Workshops war: AREA SÜD. Wirtschaftsraum Südösterreich. Die großen Infrastrukturprojekte Koralmtunnel und Semmering Basistunnel bringen neue Möglichkeiten für den Wirtschaftsraum, der die Bundesländer Steiermark und Kärnten umfasst.
Wie bedeutend Infrastruktur für Stadtentwicklung ist zeigt sich am Beispiel Mürzzuschlag eindrucksvoll.
Als am 21. Oktober 1844 der erste Zug von Mürzzuschlag nach Graz fuhr, begann für die Stadt eine neue Epoche. Die Eisenbahn veränderte nicht nur die Mobilität, sondern prägte Wirtschaft, Gesellschaft und das Stadtbild nachhaltig. Mehr als 180 Jahre später steht Mürzzuschlag erneut an einem historischen Wendepunkt: Mit der Eröffnung des Semmering-Basistunnels wird die Region wieder Teil eines der bedeutendsten Eisenbahnprojekte Europas.
Die Eisenbahn als Motor der Stadtentwicklung
Mürzzuschlag zählt zu den ältesten Eisenbahnstädten Österreichs. Bereits die erste Staatseisenbahn verband Mürzzuschlag mit Graz und schuf die Grundlage für ihre weitere Entwicklung. Mit der Eröffnung der Semmeringbahn im Jahr 1854 wurde Mürzzuschlag endgültig zu einem bedeutenden Eisenbahnknoten. Tausende Menschen fanden Arbeit bei der Bahn, in den Werkstätten oder in den zahlreichen Betrieben, die sich aufgrund der guten Verkehrsanbindung ansiedelten.
Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den Einwohnerzahlen wider. Während Mürzzuschlag Mitte des 19. Jahrhunderts rund 2.000 Einwohner zählte, wuchs die Bevölkerung bis 1961 auf über 12.000 Menschen an. Die Eisenbahn war über Jahrzehnte einer der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren der Stadt. Mit Rationalisierungen, der Elektrifizierung und dem schrittweisen Rückgang der Bahnbeschäftigung begann auch die Einwohnerzahl wieder zu sinken.
Ideen, die viel älter sind als Südbahn und Semmeringbahn selbst
Der Semmering-Basistunnel erscheint heute als Jahrhundertprojekt. Tatsächlich reicht die Idee weit zurück. Bereits 1836 schlug der Ingenieur Franz Riepl einen „Basistunnel“ unter dem Semmering vor – noch bevor die berühmte Semmeringbahn überhaupt gebaut wurde. Sein Ziel war es, eine leistungsfähige Nord-Süd-Verbindung durch die gesamte Monarchie zu schaffen.
Noch älter ist die Vision einer europäischen Verkehrsachse zwischen Ostsee und Adria. Erzherzog Johann beschrieb bereits 1825 in einem Brief an Franz Graf von Saurau die Bedeutung einer durchgehenden Eisenbahnverbindung von den norddeutschen Handelszentren bis nach Triest. Was damals Zukunftsmusik war, wird heute mit dem Baltisch-Adriatischen Korridor Realität.
Chance für die Region
Mit der Inbetriebnahme des Semmering-Basistunnels beginnt für Mürzzuschlag ein neues Kapitel. Der Mürzzuschlager Bahnhof wurde bereits umfassend erneuert und bildet künftig eine moderne Mobilitätsdrehscheibe direkt am Südportal des Tunnels. Die Investitionen in Infrastruktur und Bahnanlagen werden die Entwicklung der Stadt über Jahrzehnte prägen.
Besonders deutlich werden die Veränderungen bei den Reisezeiten. Die Verbindung zwischen Mürzzuschlag und Gloggnitz verkürzt sich von rund 45 Minuten auf etwa 12 bis 15 Minuten. Graz und Wien rücken auf unter zwei Stunden zusammen. Es besteht die Hoffnung, dass dadurch Mürzzuschlag sowohl als Wohnort für Pendler als auch als Wirtschaftsstandort deutlich attraktiver wird. Unternehmen profitieren von der verbesserten Anbindung an die europäische Nord-Süd-Achse. Gleichzeitig entstehen neue Chancen für Tourismus und regionale Entwicklung.
Herausforderungen gehören ebenfalls dazu
Wie jede große Infrastrukturmaßnahme bringt auch der Basistunnel Herausforderungen mit sich. Schnellere Verbindungen können aber auch dazu führen, dass Kaufkraft in größere Städte abwandert oder Fachkräfte ihren Arbeitsplatz außerhalb der Region suchen. Ob der Tunnel für Mürzzuschlag zum Motor einer neuen Entwicklung wird, hängt deshalb nicht allein von der Infrastruktur ab, sondern auch davon, wie Stadt, Wirtschaft und Bevölkerung die neuen Möglichkeiten nutzen.
Die historische Semmeringbahn bleibt unverzichtbar
„Man darf nicht dagegen sein, dass Neues entsteht. Man sei jedoch vorsichtig in der Zerstörung des Alten.“ Dieses Zitat des großen Steirischen Heimatdichters Peter Rosegger muss auch in diesem Zusammenhang ein wichtiger Leitspruch sein! Denn der Basistunnel darf die historische Semmeringbahn nicht ersetzen – nur ergänzen!
Während künftig der Großteil des Güterverkehrs durch den Tunnel geführt wird, gewinnt die UNESCO-Welterbe-Strecke neue Bedeutung als touristische Attraktion. Weniger Güterzüge bedeuten mehr Lebensqualität für die Anwohner und bessere Voraussetzungen für die touristische Nutzung.
Gerade hier kommt dem SÜDBAHN Museum eine besondere Rolle zu. Es bewahrt die Geschichte jener Eisenbahn, die Mürzzuschlag groß gemacht hat, und schlägt gleichzeitig die Brücke in die Zukunft. Denn wer verstehen möchte, warum der Semmering-Basistunnel heute gebaut wird, muss die Geschichte der Südbahn kennen.
Vergangenheit und Zukunft auf einem Gleis
Die Geschichte Mürzzuschlags ist untrennbar mit der Eisenbahn verbunden. Von der ersten Staatseisenbahn über die Semmeringbahn bis zum Semmering-Basistunnel zieht sich ein roter Faden durch beinahe zwei Jahrhunderte Stadtgeschichte.
Mit der Eröffnung des Basistunnels endet deshalb kein Kapitel – vielmehr beginnt ein neues. Die Eisenbahn war eine Grundlage für den Aufstieg Mürzzuschlags. Sie kann auch in Zukunft ein entscheidender Faktor für die Entwicklung der Region sein. Die Aufgabe wird sein, die Chancen zu nutzen und gleichzeitig das einzigartige eisenbahnhistorische Erbe zu bewahren. Denn Mürzzuschlag war immer mehr als nur ein Bahnhof am Semmering – die Stadt ist seit über 180 Jahren ein Ort, an dem Eisenbahngeschichte geschrieben wird.