Einblicke in die Arbeitswelt
- der Eisenbahner in Mürzzuschlag
Aus dem Erinnerungsalbum von Franz Nutz.
2026 haben wir uns im SÜDBAHN Museum intensiv mit dem Bahnhof Mürzzuschlag und seiner Geschichte beschäftigt – unter anderem im Rahmen eines Erzählcafés mit dem Museumsforum Steiermark und bei unseren Fotoabenden.
Der Bahnhof war weit mehr als ein Ort des Ein- und Aussteigens: Personen- und Güterbahnhof, Betriebsbahnhof und ein weitläufiger Eisenbahnknotenpunkt mit einer umfangreichen Infrastruktur. Entsprechend vielfältig waren auch die Berufszweige und Tätigkeiten, die hier das Funktionieren des Eisenbahnbetriebs sicherstellten.
Einen besonders persönlichen Einblick in diese Arbeitswelt geben die Erinnerungen von Franz Nutz, der von 1946 bis 1975 in Mürzzuschlag bei der Eisenbahn tätig war – zunächst als Werkstättenmitarbeiter, später als Dampflokheizer und Dampflokführer und schließlich als E-Lokführer. In den kommenden RAILBlogs möchten wir aus seinen umfangreichen Aufzeichnungen einzelne Passagen zitieren und damit den Arbeitsalltag eines Eisenbahners in Mürzzuschlag lebendig werden lassen. Den Auftakt macht Teil 1: die Werkstättenzeit. Franz Nutz schildert darin seine ersten Jahre bei der Zugförderungsleitung Mürzzuschlag, die Arbeit in den verschiedenen Werkstätten und die aufwendigen Reparatur- und Fristarbeiten an den Dampflokomotiven. Es folgen Teil 2 und Teil 3 mit seinen Erinnerungen an die Zeit als Dampflok- und später als Elektrolokomotivführer.
Aus Gründen des Datenschutzes werden im folgenden Beitrag die Namen der Beschäftigten nicht komplett zitiert.
Werkstättenzeit 4. März 1946 bis 26. Juni 1948
Am 04. März 1946 trat ich meinen Dienst bei der Zugförderungsleitung Mürzzuschlag der Österreichischen Bundesbahnen an. Ich wurde vom damaligen Werkstättenleiter Herrn St. als Schlosser der Partie E. in der Neuen Montierung zugeteilt.
Die Werkstätten des Heizhauses Mürzzuschlag bestanden in meiner Werkstättenzeit aus dem Runden Heizhaus, der Alten Montierung, der Neuen Montierung, der Dreherei, Luftpumpen- und Bremsenschlosserei, Hausschlosserei und Werkzeugausgabe, der Gießerei, der Schweißerei und der Schmiede. Ebenfalls dazu gehörte ein großes Materialmagazin. Werkstättenleiter war wie schon eingangs erwähnt Herr Rudolf St. Die Werkmeister B. und Jo. Rundes Heizhaus, Sch. Dreherei, H. und K. Alte Montierung, S. Neue Montierung und Herr Werkmeister M., waren für die Werkstättenarbeiten in ihren bereichen verantwortlich. Unterstützt wurden sie alle von den Partieführern P., P., E. (Rundes Heizhaus), D. und M. (Alte Montierung), E. und K. (Neue Montierung). Herr H. und Herr R. waren in der Hausschlosserei tätig und für die Ausgabe von Spezialwerkzeugen zuständig.
Werkstätte der Zugförderung Mürzzuschlag
Jede Dampflok der Zugförderung wurde nach einer gewissen Laufleistung in die Ausbesserungsstätten überstellt, wo die einzelnen Fristarbeiten gründlich durchgeführt wurden. Dazu kamen noch die Arbeiten an den betriebsbereiten Lokomotiven, die nicht nur sehr gewissenhaft, sondern auch rasch durchgeführt werden mussten. Diese Arbeiten waren sehr verantwortungsvoll, anstrengend und oft sehr schmutzig. Nachdem ich ein Jahr lang Ausbesserungsarbeiten an Lokomotiven in der Neuen Montierung durchführte, kam ich dann ins Runde Heizhaus und wurde dort zum Turnusdienst eingeteilt. Im Turnusdienst arbeitete man beim Tagdienst bei der Partie Eiwitschläger. Beim Nachtdienst war man zu zweit. Alle Arbeiten, die man am Tage und in der Nacht bei betriebsbereiten Loks anfielen, mussten, wie schon erwähnt, gewissenhaft durchgeführt werden.
So war es einst. So war es damals. Und heute?
Mit der Elektrifizierung der Südbahnstrecke und der bedingte technische Fortschritt des Lokomotivbetriebes hatte sich auch in der Betriebswerkstätte der Zugförderung Mürzzuschlag vieles verändert. Waren in den ersten Nachkriegsjahren und auch später acht Werkmeister und weit über 100 Werkstättenbedienstete in der Werkstätte unserer Zugförderung beschäftigt, so sind heute (1985) 24 Bedienstete und ein Werkmeister beschäftigt, die Bedarfsausbesserungen durchführen. Die Werkstättenbediensteten der Zugförderung Mürzzuschlag waren und sind heute noch Eisenbahner, die mit ihrer Werkstätte zutiefst verbunden waren und noch heute sind. Die Beschäftigten sorgten damals für die notwendigen Reparaturen und Fristarbeiten bei den Dampflokomotiven, heute und auch in Zukunft für die rasche und präzise Wartung und Instandhaltung von Diesel- und Elektrolokomotiven.
Zu einem Dienstzweig der Zugförderung gehören auch die Wagenmeister. Sie überprüfen im Bahnhof die Wagen und führen auch die Bremsprobe bei allen Zügen durch. Die Tätigkeit eines Wagenmeisters ist sehr verantwortungsvoll und für die Sicherheit von großer Wichtigkeit. Auch im Heizhaus-Innendienst hatte sich im Laufe der vergangenen Jahre vieles geändert. Waren am Anfang meiner Dienstzeit und auch später über 100 Bedienstete beschäftigt, so gibt es heute (1985) nur mehr 25 Beschäftigte im Innendienst. Kohlenarbeiter, Drehscheibenwärter, Anbrenner, Weichenwärter und viele andere im Heizhausdienst wurden im Laufe der Zeit nicht mehr gebraucht.
Die vielen Vorteile der elektrischen Zugförderung brachten auch Nachteile. Dennoch wäre es verfehlt, anzunehmen, dass die Zugförderung Mürzzuschlag eines Tages das gleiche Schicksal treffen würde wie das Heizhaus Gloggnitz. Semmering Basistunnel heißt das Schlagwort! Dieses Projekt würde das Bestehen der Zugförderung und der Werkstätte in Frage stellen.
Franz Nutz: "Lokheizer - Dampf- und E-Lokführer bei der Zugförderung Mürzzuschlag"
Veranstaltungstipp:
Der große Bahnhofsumbau in Mürzzuschlag 2019–2024
30. September 2026, 18 Uhr im Rundlokschuppen SÜDBAHN Museum
Mürzzuschlag liegt an einem der bedeutendsten Eisenbahninfrastrukturprojekte der Gegenwart: dem Semmering-Basistunnel. Im Zuge dieses Projekts wurde der Bahnhof Mürzzuschlag von 2019 bis 2024 umfassend umgebaut und saniert. Wie wurde der historische Bahnhof für die Anforderungen der Zukunft adaptiert? Michael Trittin von ÖBB Infrastruktur gibt Einblicke in die Planung, Umsetzung und Herausforderungen des großen Bahnhofsumbaus und zeigt, wie sich der Eisenbahnknoten Mürzzuschlag verändert hat.