Die Geschichte des Betriebsbahnhofes in Mürzzuschlag
Mürzzuschlag ist untrennbar mit der Geschichte der Südbahn und der Semmeringbahn verbunden. Als wichtiger Ausgangs- und Stützpunkt für den Betrieb über den Semmering entwickelte sich hier im 19. Jahrhundert ein komplexer Betriebsbahnhof, der weit mehr war als nur ein Ort zum Abstellen von Lokomotiven. Werkstätten, Versorgungsanlagen und technische Einrichtungen machten den Betriebsbahnhof Mürzzuschlag zu einem Herzstück des Eisenbahnbetriebs der Semmeringbahn.
Die Herausforderungen einer Gebirgseisenbahn
Mit der Eröffnung der Semmeringbahn im Jahr 1854 stand die Südbahn vor völlig neuen betrieblichen Herausforderungen. Steile Rampen, enge Radien und schwere Züge verlangten nach leistungsfähigen Lokomotiven und einer ausgeklügelten Infrastruktur. Mürzzuschlag wurde deshalb gezielt als größter Betriebsbahnhof der Semmeringbahn ausgebaut: Hier wurden Lokomotiven vorbereitet, gewartet, gedreht und für die anspruchsvolle Fahrt über den Semmering ausgerüstet.
In Mürzzuschlag gab es zwei Lokomotiv-Werkstätten – die Alte und die Neue Montierung. Es herrschte reger Werkstättenbetrieb. So wurden in der Alten und in der Neuen Montierung Lokomotiven aller Traktionsarten und Waggons repariert. Viele der benötigten Ersatzteile wurden in der eigenen Werkstätte nachgebaut. Verbunden waren diese Gebäude mittels der Schiebebühne. Ein zentrales Element des Betriebsbahnhofes war die Drehscheibe. Ursprünglich derer Vier. Sie ermöglichten es, Lokomotiven rasch zu wenden und auf die verschiedenen Gleise des Lokschuppens zu verteilen. Gerade bei Dampflokomotiven war das Drehen notwendig, um sie optimal einzusetzen.
Der Betriebsbahnhof Mürzzuschlag stand damit nicht nur für Lokomotiven und den unmittelbaren Fahrbetrieb. Neben offensichtlichen Eisenbahnberufen wie Lokführern, Heizern oder Werkstättenpersonal waren hier zahlreiche weitere Gewerke stationiert. Maler, Tischler, Schlosser und andere Handwerker sorgten für den Erhalt von Fahrzeugen, Gebäuden und Anlagen und hielten den komplexen Betrieb am Laufen. In seinen Glanzzeiten waren am Standort Mürzzuschlag über 1.200 Beschäftigte tätig – ein eindrucksvolles Zeugnis für die wirtschaftliche und soziale Bedeutung des Betriebsbahnhofes für die gesamte Region.
Ein lebendiges Erbe
Der Betriebsbahnhof fand im August 2019 sein vorläufiges Ende. Zu diesem Zeitpunkt startete der umfangreiche Umbau des gesamten Bahnhofareals im Zuge der Errichtung des Semmering Basistunnels. Mit Fertigstellung dieses weiteren Jahrhundertprojektes 2030 wird der Standort Mürzzuschlag wieder aufgewertet – als Standort der Tunnelwartung und Tunnelrettung.
Seit 2004 haben Teile des ehemaligen Betriebsbahnhofes als SÜDBAHN Museum eine neue Funktion erhalten. Das gesamte Areal liegt in der Kernzone des UNESCO-Welterbes Semmeringeisenbahn.
Die erhaltenen Anlagen – von den Gebäuden Neue Montierung und Rundlokschuppen, der Drehscheibe über den Rundlokschuppen bis hin zu Wasserkran und Schiebebühne – erzählen sie die Geschichte eines hochkomplexen Betriebsortes, an dem Technik, Organisation und menschliche Arbeit perfekt zusammenspielten. Der Betriebsbahnhof Mürzzuschlag steht damit exemplarisch für die Ingenieurskunst und den Eisenbahnbetrieb des 19. und frühen 20. Jahrhunderts – und macht diese Geschichte für Besucherinnen und Besucher bis heute anschaulich erlebbar.
Veranstaltungstipps
Wir widmen im Sommer zwei Veranstaltungen diesem Thema.
- Am 27. Juni, 18 Uhr ein Fotoabend unter dem Titel „Der Betriebsbahnhof Mürzzuschlag“
- Am 27. Juli, 17 Uhr folgt das Erzählcafé „Was erzählst du: Steiermark? Alles einsteigen, bitte!“.