Leitbild

1. Das SÜDBAHN Museum in Mürzzuschlag am Semmering 
(A) sammelt und bewahrt, 
(B) dokumentiert und forscht sowie 
(C) präsentiert und vermittelt 
zum Themenkomplex „SÜDBAHN“ mit Schwerpunkt Semmeringbahn als UNESCO-Welterbestätte sowie zu ausgewählten Aspekten der allgemeinen und österreichischen Eisenbahngeschichte unter Berücksichtigung des transnationalen Kontextes von Eisenbahnen. Die Verwirklichung dieser Ansprüche wird durch den wissenschaftlichen Beirat gewährleistet. 

2. Das SÜDBAHN Museum ist seit 2004 auf unbegrenzte Dauer als überregionale Institution eingerichtet.

3. Das SÜDBAHN Museum sieht sein Hauptaugenmerk in einer kulturwissenschaftlich begründeten Darstellung der Entwicklung der SÜDBAHN mit ihren Auswirkungen auf Individuum, Gesellschaft, Politik, Wirtschaft und Umwelt sowie deren Zusammenhänge und Vernetzungen in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. 

4. Das Ziel des SÜDBAHN Museum ist es, bei möglichst vielen Menschen das Interesse an der SÜDBAHN zu wecken, zu fördern und zu erhalten. Es sieht sich als Ort für Bildung, Forschung, Begegnung und Unterhaltung. In diesem Sinn ist es Forum für Veranstaltungen und Aktivitäten.

5. Die Aktivitäten des SÜDBAHN Museums [lt. 1. (A)-(C)] sind unabdingbare Voraussetzung zur Erfüllung des Leitbildes und orientieren sich an den finanziellen Möglichkeiten des SÜDBAHN Museums. 

6. Das SÜDBAHN Museum hat das Ziel, sich langfristig zur führenden Eisenbahnerlebniswelt Österreichs zu etablieren. Dazu sind zusätzliche Attraktionen wie Zweiwege-Draisinen-Strecke Mürzzuschlag-Neuberg, eine Modellbahnanlage und ein Hotelzug angedacht. Darüber hinaus besteht die Absicht, das SÜDBAHN Museum in Richtung eines allgemeinen Verkehrsmuseums zu erweitern.

Forschungsstrategie

Kontext: Das Südbahnmuseum definiert seine Forschungsstrategie aufbauend auf dem seit 2008 bestehenden Museumsleitbild.
Vision: Das SÜDBAHN-Museum hat zum Ziel, eine inter- und transdisziplinär ausgerichtete Forschungsstätte zur Eisenbahngeschichte auf Grundlage von kulturwissenschaftlichen Ansätzen im Sinne der Railway Studies aufzubauen. Nationale und Internationale Kooperationen dienen der Vernetzung sowie der Entwicklung und Umsetzung von Forschungsprojekten und werden stetig ausgebaut. Insbesondere die Entwicklung einer Museumspartnerschaft entlang der Südbahn (Mürzzuschlag – Slovenski železniški muzej – 
Museo Ferroviario di Trieste Campo Marzio) soll der Gesamtschau der jeweiligen Museumsbestände in Form eines virtuellen Museums dienen, um Forschungsmaterial leichter zugänglich zu machen.
Die Forschung im SÜDBAHN-Museum orientiert sich an den Aufgaben des Museums. Die Wissensgenerierung durch Forschung zielt auf die öffentliche Vermittlung wie beispielsweise durch Sonderausstellungen. Neben der primären Ausrichtung auf museums- bzw. ausstellungsspezifische Aktivitäten sollen durch die Veranstaltung von Tagungen und Workshops, den weiteren Ausbau einer bereits bestehenden Publikationsreihe sowie die Installierung eines Archiv- und Bibliotheksbetriebes ein neues (kultur-)wissenschaftlich orientiertes Publikum, insbesondere Familien mit Kindern, gewonnen und so die BesucherInnenzahl erhöht werden. 
Ausrichtung: Die einzelnen Forschungsfelder sind vor dem Hintergrund einer allgemeinen Eisenbahngeschichte mit besonderem Focus auf die Südbahn zu behandeln. Verschiedene Zugangsweisen zum Themenkomplex bereichern nicht nur das Forschungsprofil, sondern auch die Ausstellungen: Neben wirkungs- und wahrnehmungsgeschichtlichen Methoden sollen unterschiedliche Möglichkeiten der Bemächtigungsstrategien von Technik im allgemeinen und von Eisenbahnen im besonderen in Form einer ‚Aneignungsgeschichte’, die von Kindheit an gedacht ist, erprobt werden. Besondere Berücksichtigung finden Themen zur Frauengeschichte bzw. genderkritische Zugangsweisen zur Eisenbahngeschichte.
Inhalt: Die Forschungsstrategie des SÜDBAHN-Museums basiert auf 4 prioritären Forschungsfeldern:
1. Entwicklungen entlang der Südbahn umfasst die Aufarbeitung der jeweils lokalspezifischen Mobilitätsgeschichte unter Berücksichtigung der Regional- und Stadtentwicklungen. Wichtige Teilaspekte bilden Eisenbahn- und Verkehrsgeschichte, Tourismus und Migration. Aufbauend auf den Sammlungsbeständen, wie etwa der Draisinen und der vorhandenen Abteilung „Vom Saum-Pferd zum Dampf-Ross“, sollen durch Technik ausgelöste Entwicklungs-, Vernetzungs- und wirkungsgeschichtliche Prozesse weiterverfolgt werden.
2. Bilder der Eisenbahn – visuelle wie sprachliche – prägen ganz entschieden die Wahrnehmung und den Umgang mit dieser Verkehrstechnologie. Sie produzieren je nach Medium ein spezifisches Wissen (Bild-ung), das an unterschiedlichen Orten wie Ausstellungen, Katalogen, aber auch in der Literatur und ganz allgemein in den öffentlichen Medien als Meinungsbildner fungiert sowie auch denkmalpflegerische Belange prägt. Aus diesem Grund werden die kulturwissenschaftlichen Perspektiven des Südbahnmuseums um die Phraseologie und Metaphorik als Teilbereiche der Sprachwissenschaften sowie die Visual Culture Studies gezielt erweitert.
3. Zukunft Eisenbahnmuseum verfolgt museologische und museumspädagogische Aspekte. Rund um das zentrale Museumsleitbild der Erfassung der sozialhistorischen Stellung des Menschen im Kontext Eisenbahn soll das komplexe Wissen leicht verständlich vermittelt werden. Mit der kritischen Analyse der vorhandenen Sammlungs- bzw. Ausstellungsobjekte gewinnt die Frage nach den Wechselwirkungen von Forschung und Museumspraxis an Bedeutung. Damit wissenschaftliche Erkenntnisse auf die museale Präsentation Einfluss nehmen können, müssen museumsdidaktische Konzepte ausgearbeitet werden. Ein Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung von Vermittlungsstrategien für Kinder und Jugendliche, die eine spielerische Aneignung der Informationen am Beispiel der Eisenbahn ermöglichen. Ein weiteres Ziel ist es, ihnen neben (wirkungs-)historischen und technischen Zusammenhängen auch die verschiedenen Berufsbilder rund um die Eisenbahn näherzubringen. Die aktuellen museumsdidaktischen Forschungserkenntnisse sollen in begehbaren Installationen zum Anfassen und durch Schaurestaurierungen umgesetzt werden.
4. UNESCO-Welterbe bündelt alle 3 Forschungsfelder unter dem Thema Welterbe Semmeringbahn, um dessen Bedeutung sowohl für die Region als auch international hervorzuheben und bildet somit ein Querschnittsfeld. Es gilt, die Geschichte der Südbahn insbesondere in Hinblick auf das Eisenbahn-Weltkulturerbe Semmeringbahn in all ihren Facetten zu untersuchen. Neben nationalen Vergleichen, wie etwa mit der Wachauer Bahn, rücken internationale Gegenüberstellungen mit anderen Eisenbahn-Welterbestätten, wie etwa in der Schweiz und in Indien, ins Blickfeld. Mögliche Untersuchungsthemen kreisen um die Baugeschichte, Revitalisierungsmaßnahmen für stillgelegte Bahngebäude und spezielle Vermittlungsstrategien des UNESCO Welterbes.

Rahmen: 
Die vorhandenen Expertisen betreffen die Bereiche
* Allgemeine Eisenbahngeschichte mit dem Schwerpunkt der Entwicklung des Eisenbahnwesens in Österreich (auch Habsburger Monarchie) seit Beginn des 19. Jahrhunderts, unter besonderer Berücksichtigung der Wirkungs- und Sozialgeschichte
Kulturgeschichte
* Kunst- und Architekturgeschichte
* Visuelle Kultur – Visual Culture Studies
* Sprachwissenschaft
* Gender Studies
* Museologie und Museumspädagogik
* Technikgeschichte inkl. Geschichte der Aneignung von Technologien
* Welterbe und technische Denkmäler

Umsetzung: Das SÜDBAHN-Museum besitzt einen wissenschaftlichen Beirat, welcher im Auftrag der Museumsleitung bei Forschungsvorhaben beratend herangezogen wird.

Forschungsvorhaben 
* sollen von Mitgliedern des SÜDBAHN-Museums umgesetzt werden, wobei je nach Forschungsthema auch zusätzliche anerkannte ExpertInnen mit einbezogen werden können. 
* sollen grundsätzlich durch Einwerbung von Drittmitteln und Fundraising-Projekte durchgeführt, d.h. finanziell unabhängig vom Museumsbetrieb abgewickelt werden.
* sollen in Sonderausstellungen, auf Tagungen, in Form von Vorträgen, Publikationen und im Eventbereich der Eisenbahnerlebniswelt einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.
* sollen grundlegenden Einfluss auf die Erweiterung der Sammlung und auch der aufzubauenden Bibliothek nehmen.

 

 

 

 

Projekte

Welterbe Semmeringbahn. Vision(en) 2029

Die Region um die Semmeringbahn ist seit 1998 in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen worden. Seitdem zählt sie zu jenen Orten, die als weltweit herausragend wahrgenommen werden und auf Grund dessen einen sensiblen und bewussten Umgang mit dem vorhandenen Erbe für die Zukunft der Menschheit erfordern.
TICCIH Austria und das Südbahn Museum Mürzzuschlag starteten im Herbst 2010 eine großangelegte Auseinandersetzung einer Gestaltungsvision Panorama Welterbe Semmeringbahn.