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Der Bahnhof der Südbahn in Triest - Teil 1

Alte Illustration vom Bahnhof in TriestSammlung Illustrirten Zeitung, © Südbahn Museum„Bahnhöfe sind die Herzkammern im Organismus der Eisenbahnen. Sie geben dem Leben, das in vielverzweigten Adern kreist, den stets erneuten Impuls, von ihnen geht es aus, zu ihnen kehrt es zurück.“

Nach Vollendung der Südbahn Wien – Triest fuhr am 27. Juli 1857 der erste Zug in den Bahnhof Triest ein. Ein Bahnhof der teilweise als Provisorium in Betrieb ging. Das sollte den Feierlichkeiten aber keinen Abbruch tun. Die überlieferten Grußworte des Kaisers lauteten: „Mit lebhafter Befriedigung lege ich den Schlussstein eines Werkes, das nach Ueberwindung der größten Schwierigkeiten nunmehr vollendet, und, wie ich hoffe, mit Gottes Hülfe dazu bestimmt ist, die Wohlfahrt der Provinzen meines Reiches, und namentlich die meiner treuesten Stadt Triest zu vermehren, auf die ich den Segen des Allmächtigen herabrufe.“

Mit der „Überwindung der größten Schwierigkeiten“ waren sicherlich die Überschienung des Semmering sowie des Laibacher Moores gemeint, aber auch der Bahnhof Triest barg einige Herausforderungen. Für die Bahnhofsanlage von Triest mussten 145.000 m² Meeresfläche aufgeschüttet werden. Aus diesem Grund gab es bei den Hochbauten massive Fundierungsschwierigkeiten. Dies führte eben dazu, dass diverse Bauten – wie auch das Aufnahmsgebäude – zunächst als Provisorium errichtet wurden. Situiert wurde der Bahnhof entlang einer schmalen Straße die zu einer Sanitätsanstalt führte. Rechts davon erhob sich ein steiler Berghang, links das Meer. Diesem Gelände musste nun die nötige Breite gegeben werden. Dazu wurde zum einem der Berg abgetragen und zum anderem das Meer aufgeschüttet. Diese Vorbereitungsarbeiten wurden im August 1850 begonnen. Das abgetragene Material wurde zum Teil für die Aufschüttung des Meeres verwendet. Zusätzlich mussten zwei Wildbäche – Martesin und Klutsch – in weit überwölbten Kanälen unter den Bahnhof durchgeführt werden. An diesen Arbeitern waren täglich an die 900 bis 1000 Menschen, Großteils Arbeiter aus Friaul beschäftigt. „Oben auf dem gesprengten und gespaltenen Rücken und Abhange des Berges sieht man eine Unzahl Männer und Weiber, die gleich Ameisen herumklettern, Erde und Steine aufwühlen und in die Tiefe rollen, während andere über vier große Holzbrücken laufen, welche hoch und quer über die Straße von dem Berge zum Meere führen und zu dem Zwecke errichtet wurden, um die Straße selbst von dem Transport des Felsenmaterials frei zu halten, und kleine und große Karren voll Gesteine und Erde nach sich ziehen und bis an das Meer rennend ihre Ladung in die Flut stürzen.“

Fertigstellung: Bahnhof Triest

Die Fertigstellung wurde mit Frühjahr 1854 angesetzt, was sich aber als illusorisch herausstellte. Aufgrund der Fundierungsprobleme mussten für die Hochbauten 10.000 Holzpiloten in das Terrain geschlagen werden. Der Bahnhof erhob sich in zwei Etagen, da das nahe gelegene Lazarett nicht abgerissen wurde. Dazu wurde ein überdachter und verglaster Viadukt errichtet. Dieses Viadukt bedingte, das das Streckenniveau zehn Meter über dem Meeresspiegel lag. Von der unteren Bahnhofsetage gelangte man zum Vorplatz und zum Hafen sowie zur Personenhalle und dem Aufnahme-Zollgebäude, unten befanden sich ebenfalls die Magazine, das Heizhaus, die Werkstätten und der Packhof. Über die obere Bahnhofsetage wurde der Personenverkehr abgewickelt. Mit Inbetriebnahme des Bahnhofes 1857 war „…dieser … vermöge seiner Flächenausdehnung, seiner Gebäude und seiner Anlage überhaupt der größte Stationsplatz der österreichischen Bahnen und kann unter die ersten und größten Anlagen, die in Europa zu solchen Zwecken erbaut wurden, gerechnet werden. Der triester Stationsplatz, welcher zur Aufgabe hat, den Handelsverkehr zur See und zu Land mit Triest zu verbinden, hat seinen eigenen Hafen, in den die größeren Handelsschiffe bis zu 16 Fuß Tiefgang einfahren können…“ Schon bald nach Eröffnung zeigte sich das die Anforderungen an die Anlage unterschätzt wurden und das schließlich ein Neubau nötig wurde. Dieser Neu- und Umbau begann bereits 1867.

Kerstin Ogris

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